Weiße Hönne PDF Drucken E-Mail

Weiße Hönne kein Werbe-Gag

Walramschüler prüfen Hönne auf Herz und Nieren

 Eine Weißfärbung des Hönnewassers, über die am 6.5.2009. berichtet wurde, war Anlass für den Biologie-Chemie-Differenzierungskurs der Jahrgangsstufe 9 des Walram-Gymnasiums, sich ausführlich mit dem Thema „Kalk“ zu beschäftigen. Die Schüler wollten wissen, was man eigentlich unter "Kalk" versteht und welche Folgen ein erhöhter Kalkanteil im Wasser für die Umwelt hat.

Die Schüler fanden heraus, dass es drei verschiedene Arten von Kalk gibt: „Kalkstein“ Calciumcarbonat (CaCO3), „gebrannten Kalk“ Calciumoxid (CaO) und „gelöschten Kalk“ Calciumhydroxid, Ca(OH)2. Kalkstein wird in den Kalkwerken des Hönnetals zu gebranntem Kalk umgewandelt.

Nun tauchte die Frage auf, welche Auswirkungen diese Kalkarten auf die Umwelt haben, wenn sie ins Flusswasser gelangen. Um diese Frage zu beantworten, führten die Schüler eine Versuchsreihe durch. Zuerst überprüften sie die Löslichkeit der verschiedenen Stoffe in destilliertem Wasser. Die Ergebnisse: 1,65 Gramm Calciumoxid, 1,7 Gramm Calciumhydroxid und 0,014 Gramm Calciumcarbonat lösen sich in einem Liter destilliertem Wasser. Alle Stoffe sind also in Wasser nur schwer löslich und verursachen eine weiße Trübung des Wassers.

Im nächsten Experiment untersuchten die Schüler, ob sich durch Zugabe der drei Kalkarten der pH-Wert von destilliertem oder Hönnewasser ändert. Das Resultat war verblüffend. Der pH-Wert der Lösungen stieg durch die Zugabe von gebranntem und gelöschtem Kalk erheblich. Bei unbeeinflusstem Hönnewasser betrug der pH-Wert 7,9. Durch Zugabe von jeweils 100 mg Kalk auf einen Liter stieg der pH-Wert bei Calciumoxid auf 9,5 und bei Calciumhydroxid sogar auf 10,2. Das Wasser verwandelte sich in eine Lauge. Auffällig war, dass sich bei Calciumcarbonat, also bei normalem Kalkstein, der pH-Werte nicht änderte.

Was passierte nun in der Hönne?.

Wenn Calciumoxid oder Calciumhydroxid in den Fluss gelangt wären, hätten Fische und andere Lebewesen des Flusses unter Verätzungen leiden müssen. Nach einiger Zeit hätte sich der pH-Wert wieder normalisiert, wie der Kurs durch einen weiteren Versuch feststellte. Innerhalb einer Woche sank der pH-Wert im Experiment wieder auf Normalwerte. Dieses führten die Schüler auf eine einfache Reaktion zurück: Gebrannter und gelöschter Kalk reagieren mit dem Kohlenstoffdioxid der Atmosphäre zu Kalkstein (Calciumcarbonat), und das ist genau des Gestein, aus dem das Gebirge des Sauerlandes besteht.

Vermutlich war jedoch eine Einspülung von Calciumcarbonat die Ursache der beobachteten Weißfärbung. Damit hätte sich der Säuregrad des Flusswassers nicht geändert. Eine Gefahr für die Umwelt wäre somit nicht zu befürchten gewesen. In der nächsten Zeit wird der Differenzierungskurs sein Wissen über Kalkstein, seinen Abbau und das Kalkbrennen durch einen Besuch der Rheinkalkwerke vertiefen.


Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 01. Januar 2011 um 08:15 Uhr